Auch der Teufel hat Gefühle.
Er wurde von Gott nur schlecht behandelt.
Autoren-Archive: Bardhyl Krasniqi
Bilder von Spiegelbildern
Du hast mich durch den Spiegel angeschaut, bon voyage gesagt und bist gegangen.
Und ich wünschte mir, dein Spiegelbild hätte sich in ein Bild entwickelt.
Erste Küsse
Ein Bruchteil einer Sekunde –
Wie eine spannungsgeladene Stunde.
Tausend Versprechen darin verborgen,
Ebenso viele Enttäuschungen voller Sorgen.
Sie ist Gold wert, nimmt dich gefangen,
Nimmt dir alles – auch den Atem.
Die Herzen zittern, flackern wie Kerzen im Wind,
Die Körper folgen nach, geben sich hin.
Die Luft elektrisierend, die Haare stehen zu Berge –
In diesem Bruchteil einer Sekunde:
Der erste Kuss, schöner als die schönsten Verse.
Bis die Tage
An guten Tagen denke ich oft an schlechte Tage und merke, wie schlecht die schlechten Tage waren und wie gut die guten Tage sind.
Das Jung-Portal
Sie rannten so schnell sie konnten. Äste schlugen ihnen ins Gesicht, während der Wald immer dichter und dichter wurde. Plötzlich lag eine kleine Lichtung mit einem Mauerstück vor ihnen. Das kurze Mauerstück war komplett mit Efeu überwachsen. Sie rannten um die Mauer herum auf die andere Seite, wo sie eine grüne Tür bemerkten.
Hinter ihnen hörten sie, wie die Bäume knarrend umfielen und den Boden zum Beben brachten. Sie rissen die Tür auf, stürzten hinein und schlossen sie hastig hinter sich. Keuchend lehnten sie sich mit dem Rücken gegen die Tür und lauschten. Es war still.
Ihre Herzen schlugen mit aller Kraft gegen ihre Rippen, dass das Pochen den ganzen Raum erfüllte. Das schwache Licht der Fackel neben der Tür erschwerte es, wirklich etwas zu erkennen, doch die Tür auf der anderen Seite des Raumes war deutlich sichtbar. Der Raum wirkte leer und kühl, und diese Kälte breitete sich schnell auf ihre Körper aus.
Sie rannten zur anderen Tür und traten in den nächsten Raum. Es war ein weiterer Raum mit derselben Art Tür. Nach dem siebzehnten Raum und der siebzehnten Tür fiel es ihnen auf: Sie waren siebzehn Jahre jünger geworden. Panik breitete sich aus.
Als sie die Tür, aus der sie gekommen waren, öffneten, war dahinter eine Mauer mit Efeu-Blättern. Sie drehten sich um und sahen wieder die Tür auf der anderen Seite des Raumes. Ohne Wahl öffneten sie eine Tür nach der anderen.
Als sie durch die letzte Tür liefen, fanden sie sich am Boden wieder. Nicht mehr wirklich denkend, sahen sie anstatt einer Tür eine Öffnung, aus der warmes Licht in den Raum strahlte. Die zwei Babys, fasziniert vom Licht, krabbelten hinein.
Alte Lieder
Ich hoff, du hast mich vergessen
weggeschmissen, was ich einst besessen
Mit ein wenig Glück
begegnen wir uns dann wieder
Ich für dich ganz neu
und du für mich wie alte Lieder
Weg
Wie weit weg ist weit weg, um weg zu sein?
Grenzen
Wir gehen und gehen – und nirgendwo Grenzen.
Grenzenlos die Welt, in der nur wir die Grenzen setzen.
Wir denken zuerst – ganz frei von Grenzen.
Grenzenlose Gedanken – solange wir keine Grenzen denken.
Poesie und Müll
Zwischen Poesie und Müll,
Selbstverwirklichung und Leugnung,
liegt ein Funken Hoffnung.
Es brennt, was alle am Leben hält –
fegefeuerartig, lungenerstickend,
Schlag um Schlag pochend, dann bebend.
Gesammelt in einem Käfig, rund, ganz weit oben.
Zunächst demokratisch, später korrupt
steigern sich Gefühle und pendeln zum Schluss.
Fliegend, rennend in alle Richtungen –
anarchistisch frei im Sinne des Wortes.
Übrig bleiben: Überreste eines sentimentalen Mordes.
Sentimentale Morde, Poesie, Müll,
Selbstverwirklichung oder Leugnung.
Nenn es, wie du willst – es liegt da drin: der Funken Hoffnung.
Das schöne Gefängnis
Deine Worte sperrten mich ein. Doch als ich nach einer Weile frei kam, wollte ich wieder eingesperrt sein.
