Summer of ’69

Es war damals im Summer of ’69. Eigentlich der Sommer ’18, nur hatte der noch nicht so einen guten Beiklang. Das waren die Tage, an denen die Türschwelle mit einem lässigen Sprung zurückgelassen wurde und sie eine Unzahl hastig zugeschlagener Türen abfangen musste. Ein rascher Blick in den Briefkasten, um mit gutem Gewissen die darin liegenden Rechnungen mit dem ersten Schluck eiskalten Biers zu vergessen. Die kalte Luft am Morgen heizte sich tagsüber so auf, dass die Stadt am späten Nachmittag in einem Gelbstich erstrahlte. Da lief man so durch die Korridore der Stadt, als wären sie die eigenen vier Wände. Drinnen an der Bar ein Bier bestellt, setzten wir uns nach draußen an die Fassade des Hauses. Die Wärme, die sie durch den Tag aufgenommen hatte, strahlte sie nun mit voller Wucht auf unsere bereits verschwitzten Körper.

Diese Biergespräche hatten ja immer etwas euphorisch Unpräzises. Man will sich ja nicht festlegen, falls man die Ideen im nüchternen Zustand doch nicht mehr so glatt finden sollte. Die Euphorie galt den geplanten Reisen in so angenehm temporäre Städte. Zurückkommen sollte ja doch eine Option bleiben.

In diesem Summer of ’69 sollte alles so temporär und schnell sein, wie es nur ging. Wir nannten jeden Sommer so, weil jeder Sommer erst im Laufe der Zeit seinen begleitenden negativen Beiklang ablegt und einen positiv klingenden etabliert. Alles sollte schnell sein, um möglichst viel aufzunehmen.

Nichts davon sollte fotografisch dokumentiert werden. Ein Sommer, der Gefahr lief, wie ein zerfetztes Shirt eines Obdachlosen, das schon zu viel erlebt hat, in Erinnerung zu bleiben.