Vogelkacke

Ein ganz normaler Tag. Ich drehe mir auf einer Parkbank eine Zigarette und lasse die Sonne meine große Nase bräunen. Wie so oft sind im Tabakbeutel nur noch diese verdammten Tabakkrümel – die, die wieder aus dem Papier fallen, sobald die Zigarette im Mund steckt.

Man könnte meinen, das Wetter könnte sich weniger um meine Tabakkrümel scheren. Sicher ist aber, dass da eine tiefe Verbindung besteht. Sei es drinnen oder draußen. Sobald ich den Beutel in der Hand halte, begibt sich der Wind auf seine leisen Wanderungen.

Nun ja, irgendwie schaffe ich es, die an der Spitze zusammengedrückte Zigarette anzuzünden und kann mich gedanklich der Sonne zuwenden.

An diesem Frühlingstag wird einem die Paarungslust der Menschen regelrecht ins Gesicht gerieben. Die Wiese vor mir ist voll von ihnen. Die Männchen zeigen ihre Masse, die auf ihren Knochen liegt – die geformte Masse wohlgemerkt. Beeindruckte und unbeeindruckte Weibchen wirren umher. Letztendlich kommt dennoch niemand zusammen.

Die Ansprechbarriere lässt sich einfach nicht überwinden. Stattdessen zückt man das Smartphone und hofft, jene Person in Apps zu finden. Ein GIF als Anmachspruch reicht – und schon bald läuten die Glocken.

Die Vögel zwitschern und lassen so selbstverständlich wie wir atmen ihre Scheiße fallen. Die, die Aufmerksamkeit suchen, fangen sie dann mit Freude auf. Anscheinend bringt das Glück.

Ich konnte nie wirklich verstehen, warum es Glück bringen soll, wenn man angeschissen wird. Scheiße bleibt Scheiße, egal wie sie aussieht und von wo sie kommt. Diese Glücksmomente werden dann in einer dümmlichen, sexy Pose fotografisch festgehalten. Beim nächsten Match dankt man der Vogelkacke.

Der Frühling ist doch wunderbar.

Du kennst mich

Du kennst mich – du weißt, wer ich bin.
Du weißt, wer ich war und wer ich sein will.
Du fragst, ob ich mich kenne und ob ich mich selbst benenne.
Du hörst, was ich sage, und weißt, dass ich weine.

Du redest mit mir und singst immer mit mir.
Du erzählst von mir und davon, wie ich bin – mit dir.
Du kennst mich: mal zu viel, mal nie genug.
Doch du weißt, ich bin gefunden – und nicht gesucht.

Auch ich kenne dich – oder hab’s zumindest versucht.
Etwas dazwischen sein: nicht zu viel und nicht nie genug.
Verzeih mir, wenn’s nicht immer klappt – du kennst mich.
Vertrau mir, wenn du bangst – denn auch ich kenne dich.

Diese verdammten Tage

Die Tage des Jahres sind gezählt. Und schon zählen wir die des Neuen. Und Tage später die des Darauffolgenden. Bis unsere eigenen Tage gezählt sind. Bis dahin zählen wir. Tag für Tag eine neue Zahl. Oder ein alte. Wir zählen und zählen diese verdammten Tage und solange wir am Zählen sind, leben wir.

Was nie da war

Und schon bald vergessen wir auch das, was noch nie da war.

Ich schieße und schieße

Ich schieße und schieße,
eins nach dem andern –
Fotos nur von dir
und von keiner anderen.

Ich könnte dich beschreiben
mit Zeilen und Sätzen,
doch zu viele bräuchte ich,
um dich annähernd zu treffen.

Kein anderes Medium
kann dich besser fassen
als ein Bild von dir –
morgens, ganz gelassen.

Deshalb schieße und schieße ich,
tausend Bilder von dir.
Tausendmal tausend Worte beschreiben dich,
Die Präzision – die gefällt mir.

Ich hasste Romantik

Ich war blind und wusste, wie du aussiehst.
Ich war taub und wusste, was du mir sagst.
Ich hasste Romantik und schenkte dir Rosen.
Du warst du und wusstest nicht einmal, wer ich war.

Mörder

Heute habe ich meinen eigenen Schatten getötet. Ich schaute in seine glasigen, durchsichtigen Augen und knipste das Licht aus.

Aber er fand’s schön

Und so lebte er weiter in seiner irrationalen Welt und fand weiterhin Sachen schön, die er nicht schön finden sollte.

Schräger Blick

Ich war zwar schräg, doch wenn du nur ein einziges Mal den Kopf geneigt hättest, würdest du mich heute noch schräg ansehen und mit mir zu Abend essen.