Erste Küsse

Ein Bruchteil einer Sekunde –
Wie eine spannungsgeladene Stunde.
Tausend Versprechen darin verborgen,
Ebenso viele Enttäuschungen voller Sorgen.

Sie ist Gold wert, nimmt dich gefangen,
Nimmt dir alles – auch den Atem.
Die Herzen zittern, flackern wie Kerzen im Wind,
Die Körper folgen nach, geben sich hin.

Die Luft elektrisierend, die Haare stehen zu Berge –
In diesem Bruchteil einer Sekunde:
Der erste Kuss, schöner als die schönsten Verse.

Alte Lieder

Ich hoff, du hast mich vergessen
weggeschmissen, was ich einst besessen

Mit ein wenig Glück
begegnen wir uns dann wieder
Ich für dich ganz neu
und du für mich wie alte Lieder

Grenzen

Wir gehen und gehen – und nirgendwo Grenzen.
Grenzenlos die Welt, in der nur wir die Grenzen setzen.
Wir denken zuerst – ganz frei von Grenzen.
Grenzenlose Gedanken – solange wir keine Grenzen denken.

Poesie und Müll

Zwischen Poesie und Müll,
Selbstverwirklichung und Leugnung,
liegt ein Funken Hoffnung.

Es brennt, was alle am Leben hält –
fegefeuerartig, lungenerstickend,
Schlag um Schlag pochend, dann bebend.

Gesammelt in einem Käfig, rund, ganz weit oben.
Zunächst demokratisch, später korrupt
steigern sich Gefühle und pendeln zum Schluss.

Fliegend, rennend in alle Richtungen –
anarchistisch frei im Sinne des Wortes.
Übrig bleiben: Überreste eines sentimentalen Mordes.

Sentimentale Morde, Poesie, Müll,
Selbstverwirklichung oder Leugnung.
Nenn es, wie du willst – es liegt da drin: der Funken Hoffnung.

Was ich euch schon immer sagen wollte

Wir reden zwischen Mehr und Nicht-mehr.
Hören auf zu lachen, doch werden gerne angelacht.
Einmal ist keinmal, und dreimal ist dann doch einmal zu viel.
Tag für Tag sagen wir stets dasselbe.
Die Zeit ist da, doch zeitlich liegt’s nicht drin.

Unsere Kompassnadel schwingt zwischen zwei Polen,
mal zu viel, mal nie genug.
Die Gratwanderung, perfekt zu sein, zehrt und zehrt.
Der Spiegel, den wir anschauen,
liegt hinter Fleisch und Knochen ganz tief in uns drin.

Tag für Tag die Tagung mit dem Tag,
dann zu müde für das Nächtigen mit der Nacht.
Unschlüssig und stumm wachen wir auf,
im Zweifel für uns selbst die Devise.

Also hört gut zu, liebe Buben und Mädchen:
Zweifelt nicht zu sehr an euch.
Zweifelt den fegefeuerartigen Zweifel in euch an.
Denn ein Rütteln ist nicht immer ein Erdbeben.

Fallt vom Grat auf die eine Seite.
Hört auf zu lachen, strahlt stattdessen wie zehntausend Leuchten.
Weint nicht nur, sondern löst euch auf wie Schnee in der Sonne.
Schreit nicht mehr, wenn ihr wütend seid, sondern reißt alles nieder.
Und vergesst nicht: Wenn ihr liebt, denjenigen ein Bahnhof zu sein, der sie weiterbringt.

Woanders

Woanders ist, wo ich Frieden find.
Woanders ist, wo ich nicht grad bin.
Woanders bin ich, in Gedanken vor allem –
Gedanken von woanders, die mir zufallen.
Ist’s zu viel verlangt, woanders zu sein?

Denn woanders ist meiner Sehnsucht Schein.
Ich kann meinen Körper woanders hin verschieben,
Doch woanders angekommen, ist dort nichts als – da – geblieben.
Nun sag mir, weshalb gibt’s woanders – gibt’s dergleichen?
Und wieso können wir woanders scheinbar nie erreichen?

Und sag mir, ob ich – wenn ich woanders sag – spinn?
Bin ich der Einzige – kommt nur mir woanders in den Sinn?
Wenn doch auch du verspürst, woanders zu sein,
Dann gibt’s woanders – das ist doch ein Beweis!

Auf der Suche nach woanders werd ich wohl immer sein,
Denn da angekommen, weiß ich’s – und bin mit mir ganz im Reinen.

Du kennst mich

Du kennst mich – du weißt, wer ich bin.
Du weißt, wer ich war und wer ich sein will.
Du fragst, ob ich mich kenne und ob ich mich selbst benenne.
Du hörst, was ich sage, und weißt, dass ich weine.

Du redest mit mir und singst immer mit mir.
Du erzählst von mir und davon, wie ich bin – mit dir.
Du kennst mich: mal zu viel, mal nie genug.
Doch du weißt, ich bin gefunden – und nicht gesucht.

Auch ich kenne dich – oder hab’s zumindest versucht.
Etwas dazwischen sein: nicht zu viel und nicht nie genug.
Verzeih mir, wenn’s nicht immer klappt – du kennst mich.
Vertrau mir, wenn du bangst – denn auch ich kenne dich.

Ich schieße und schieße

Ich schieße und schieße,
eins nach dem andern –
Fotos nur von dir
und von keiner anderen.

Ich könnte dich beschreiben
mit Zeilen und Sätzen,
doch zu viele bräuchte ich,
um dich annähernd zu treffen.

Kein anderes Medium
kann dich besser fassen
als ein Bild von dir –
morgens, ganz gelassen.

Deshalb schieße und schieße ich,
tausend Bilder von dir.
Tausendmal tausend Worte beschreiben dich,
Die Präzision – die gefällt mir.

Ich hasste Romantik

Ich war blind und wusste, wie du aussiehst.
Ich war taub und wusste, was du mir sagst.
Ich hasste Romantik und schenkte dir Rosen.
Du warst du und wusstest nicht einmal, wer ich war.

Vergessen zu vergessen

Ein bisschen zu fest fixiert.
Zu sehr auf dich konzentriert.
Ich vergass wie man dich vergisst.
Als ich’s schaffte dich dann wieder vermisst.